Dienstag, 12. Juni 2012

Brech- und Würgegeräusche

Nachdem ich gestern mal wieder einen Post von Scrapperia mit Begeisterung gelesen habe, hat mich das heute immer wieder zum Nachdenken angeregt. Dort schreibt sie in ihrer ihr eigenen spitzenmäßigen Art über ihre Tochter, die am Essen mäkelt. Das kennen wir doch eigentlich fast alle. Kaum ein Kind isst heutzutage klaglos alles das was auf den Tisch kommt. Ich (Jahrgang 1963) komme aus einem sehr konservativen Elternhaus und musste früher generell alles essen. Und bei uns gab es zu 99,9 % deutsche Hausmannskost. Mein Vater liebte Eintöpfe mit eher fettem Fleisch, also gab es das auch relativ häufig. (Ich hasste Weißkohleintopf mit tonnenweise Kümmel - Würgegeräusch!!!) Da ich auf dem Dorf groß geworden bin, war ich auch beim Nachbarn beim Schlachten dabei und war eigentlich nicht schockiert, was da abging. Ich habe sogar warmes Blut gerührt für die Blutwurst. Das würde man heute wohl keinem Kind mehr zumuten. Ich fand es aber gar nicht schlimm. Auch die Grützwurst (hier bei uns heißt es Grützwurst und ist auch in einem Darm), anderswo heißt es auch anders und wird anders zubereitet, aber der Hauptbestandteil ist meiner Erinnerung nach Blut. (Heute - grusel!!!) Aber Leber mochte ich z.B. als Kind schon gern. So super gesund sind Innereien ja nun auch wieder nicht, aber essen kann man das schon. Ich musste auch immer alles aufessen, weil ich spindeldürr war. Wenn ich allerding Würge- oder Brechgeräusche gemacht hätte, dann hätte ich wohl gleich was an die Moppen gekriegt. Also hab ich mich nicht getraut. Ich möchte jetzt hier nicht die Vermutung aufkommen lassen, ich wäre evtl. misshandelt worden. Nee, auf keinen Fall, ich habe aber schon mal eins hinter die Löffel bekommen. Das mache ich allerdings mit meinen Kindern nicht.
Jetzt frage ich mich, wieso mögen die Kinder heute nicht mal das ein oder andere probieren, obwohl es lecker aussieht und auch riecht. Ich habe ja auch ein Kind, was gern mal den Würger macht und eigentlich extrem krüsch ist. Wieso ist das so??? Sind die Blagen heute sowas von verwöhnt und haben alles im Überfluss, dass sie Sachen, die nicht in ihr Schema passen, grundsätzlich ablehnen.
Ich habe meinem Großen früher über Jahre hinweg Fisch serviert mit der Ansage, dass es Hühnchen ist und er hat es problemlos weggefuttert, aber Fisch mochte er eigentlich nicht. Natürlich sollte man seine Kinder diesbezüglich auch nicht anlügen - ganz schlechtes Vorbild - aber in diesem Fall brauchte das Kind einfach nur einen Schubs, denn heute isst er gern Fisch.
Für mich stellt sich immer wieder die Frage, sollen Kinder alles essen, alles probieren oder muss die leidgeprüfte Mutter drei verschiedene Gerichte anbieten, wenn die Schnittmenge der bevorzugten Lebensmittel gleich NULL ist.
Früher habe ich sehr gern gekocht und immer wieder neue Sachen ausprobiert, heute ist das Kochen für mich eine lästige Pflicht geworden. Eigentlich schade. Vielleicht ändert sich das ja, wenn sie sich selbst bekochen müssen und ich nur noch für zwei koche, also in ca. 10-15 Jahren. Dann bestelle ich mir Essen auf Rädern.

So, das war das Wort zum Dienstag.

Gestern war ich mal wieder bei meinen Eltern. Das ist nicht mal eben um die Ecke, sie wohnen gut 200 km südlich von mir entfernt. Meine Mutter hat einen supergrünen Daumen und ich liebe ihre Blumenbeete. Sie war gar nicht zufrieden, weil sie meinte, dass momentan nichts so richtig blüht. Die Arme. Soooo traurig sieht es in ihrem Garten aus.








Bei mir fangen gerade so langsam die Pfingstrosen an zu blühen (und das ist auch weit und breit das einzige), die sind bei ihr schon längst verblüht.
Bei so wenig blühenden Pflanzen im Garten sollte sich meine Mutter mal eine Portion Blutwurst auf den Teller packen und sich mal in aller Ruhe auf die Terrasse setzen und ihre Blicke schweifen lassen. Dann wird sie schon einiges sehen, was ihr gefällt. Ich war jedenfalls begeistert.

Liebe Grüße von



Kommentare:

  1. Genau das kenn ich auch, keine Lust mehr zum kochen, denn wenn man vom XY-Schema abweicht heißt es "ja, wähhhh das ess ich nicht", also koch ich meist das was meine Tochter mag, lasse Fisch, Hülsenfrüchte, Leber und viel Gemüse weg und ärgere mich jedesmal. Unseren Kinder wird ständig eine Alternative angeboten, weil wir ja alle im Überfluss haben und was es nicht gibt kann gekauft werden, das war früher anders, da gab es nur das. Allerdings ändert sich unser Geschmacksempfinden alle vier Jahre (hab ich mal gelesen) es besteht also immer noch Hoffnung! War es etwas gestern schön bei euch???? Hier regnet es seit gestern nachmittag durch und ich werde schon trübsinnig. Viel Spaß mit deinen Pfingstrosen, hab einen schönen Tag, liebe Grüße Birgit

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  2. Bei uns hieß Sie Blutwurst und dazu gabs Leberwurst, Sauerkraut und Püree, lecker war's ! Für meine Lieben allerdings koche ich nur fettfreies Kassler mit Sauerkraut. Jessi & mein Mann (der aus USA kommt)würgen allein schon bei dem Namen Blutwurst...haha !Ich mußte auch immer alles aufessen was auf den Tisch kam und das war auch Hausmanns Kost und jeden Samstag Eintopf aber mir hatts geschmeckt !! Mein Papa war auch Chefkoch und aus Essen daher gab es auch diese Kohlgerichte die ich nicht mochte aber auch rheinischen Sauerbraten mit Knödel, mmhhh ! Mein Papa sagte auch immer: ' Was der Bauer nicht kennt frisst er nicht'!Ob Er damit die Schwarzwälder gemeint hat ?
    GLG Annette

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  3. Hallöchen,das mit dem Essen ist,glaube ich, bei allen so!
    Wenn's dem einen schmeckt jault der andere rum,recht machen kann man es eigentlich keinem.
    Wo ist der Strampler?
    Ich gehe gleich zum Vortrag und hatte gehofft noch dein Ergebnis zu sehen,hihihi
    Also,ich schaue sogar später nochmal rein!
    LG deine Myre

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